Interpretieren — Übung Nr. 2b

Interpretieren

Übung Nr. 2b

Nach dem Prélude e-Moll op. 28 Nr. 4 von Frédéric Chopin (1839) — gemeinfrei.
Übungsmaterial © 2026 Mario Maurano. Alle Rechte vorbehalten.

Was du machst: In Übung Nr. 2 hast du das Prélude von MIDI in den Score umgewandelt. Die Noten stimmen, und jede fällt genau auf ihren Platz — und genau deshalb klingt es wie eine Maschine: kein Pedal, die Akkorde der linken Hand alle gleich, ein Metronomtempo. Hier gibst du ihm eine Interpretation: das Tempo, das Pedal, das Atmen der linken Hand, die Mittelstimme der Akkorde und den Doppelschlag in Takt 16. Zum Schluss stellst du dein Gehör auf die Probe.

Wie lange es dauert: etwa vierzig Minuten. Was du brauchst: das Zip der Übung (es enthält CHOPIN_Prelude-Nº-4-Op28-E el segundo-2CH sin editar.mmf, den Ordner escucha und die fertige Fassung), das geöffnete COSMIC KEYBOARD für den Klang und die erledigte Übung Nr. 2.

Wenn etwas schiefgeht: Die Taste UNDO in der oberen Leiste macht den letzten Schritt rückgängig, und du kannst sie mehrmals hintereinander drücken. Probier ruhig aus.

Fünf Wörter, die dir begegnen

Simile
„dasselbe“. Du schreibst das Pedal für einen Takt, und der Score wiederholt es in den folgenden Takten, ohne die Partitur mit Zeichen zu füllen. Das Fenster SEQUENCES stellt es ein.
Intelligent Beams
Der Score liest, wie die Noten unter einem Balken gruppiert sind, und spielt sie als Gruppe, mit starken und schwachen Noten. Das Level sagt, wie deutlich du es hörst.
ASYM AGOG-Bereich
ein goldenes Band über einem Abschnitt eines Kanals. Es hat zwei Achsen: TEMPO (die Noten kommen entlang einer Kurve früher oder später) und PRES (Präsenz: Das Gewicht jeder Note folgt einer anderen Kurve). Ein Band kann beide tragen.
Mittelstimme
die mittlere Note eines Akkords, die sich bewegt, während die anderen liegen bleiben. In diesem Prélude treibt sie die Harmonie an: Sie steigt Takt für Takt jeweils um einen Halbton ab.
Doppelschlag
eine Verzierung aus vier Noten um eine Hauptnote: die obere Nebennote, die Hauptnote, die untere Nebennote und wieder die Hauptnote. Verzögert heißt, dass zuerst die Note erklingt und die Verzierung danach kommt.

ERSTER TEIL — DER RAHMEN

AUF DEN BILDERN: Die orangefarbenen Kreise zeigen, wohin du schauen oder klicken sollst.

1 · Öffne die Datei und hör sie dir an, wie sie ist

Öffne den SCORE (aus dem COSMIC KEYBOARD) und lade über MENU FILES → IMPORT MMF die Datei CHOPIN_Prelude-Nº-4-Op28-E el segundo-2CH sin editar.mmf. Sie hat zwei Kanäle: CH1 die rechte Hand, CH2 die linke Hand.

Hör dir die ersten Takte an. Alles ist an seinem Platz, aber nichts atmet: Die Melodie singt nicht, die Akkorde ziehen gleichmäßig und trocken vorbei, und das Tempo ist das der MIDI-Datei (♩ = 96), viel zu schnell für ein Largo.

2 · Das Tempo: Largo, ♩ = 64

  1. Klicke auf den ersten Akkord der linken Hand (Takt 1): Der Cursor landet in Takt 1.
  2. Drück TEMPO in der oberen Leiste.
  3. Gib bei BPM 64 ein. Danach gib bei TERM Largo ein — in dieser Reihenfolge: Wenn du die BPM eingibst, schlägt der Score eine eigene Bezeichnung vor, und die würde deine ersetzen.
  4. Bei SCOPE: This bar.
  5. Drück TOGGLE / UPDATE MARKING (Takt 1 hatte schon eine Bezeichnung, und das ändert sie).
Kontrolle: Über Takt 1 steht Largo ♩ = 64.
Die Tempobezeichnung — der Akkord von Takt 1 und das Fenster TEMPO: Largo, 64, This bar

3 · Das Pedal in Takt 1

Chopin wechselt die Harmonie zweimal pro Takt: Das Pedal geht mit jeder neuen Harmonie nach unten und kommt kurz vor der nächsten wieder hoch. Du schreibst es in Takt 1, und in Schritt 4 überträgst du es auf den Rest.

  1. Zuerst muss die linke Hand der aktive Kanal sein: Klicke auf ihr Notensystem dort, wo keine Noten stehen (zum Beispiel weit unten, zwischen den Hälsen des ersten Schlags). Unten im Fenster steht CURSOR: CH2.
  2. Drück ART (oben rechts). PEDAL steht unten im Fenster.
  3. Klicke auf den ersten Akkord von Takt 1 → Ped.
  4. Klicke auf den vierten Akkord (die zweite Hälfte von Schlag 2) → ✻ ped up.

Für die zweite Hälfte des Taktes gibt es einen schnelleren Handgriff: Mit einer Auswahl setzt Ped. das Pedal am Anfang und hebt es am Ende auf.

  1. Drück ◻ SELECT (es wird zu ◼).
  2. Zieh in der linken Hand von Schlag 3 bis zum Ende des Taktes, im unteren Teil des Notensystems, wo nur Hälse sind: Die Notenköpfe der Akkorde liegen oben.
  3. Im Fenster ART Ped.
  4. Drück Esc und drück noch einmal ◼ SELECT, um den Modus zu verlassen.
Kontrolle: Unter der linken Hand liest du Ped. ✻ Ped. ✻: das erste ✻ auf der zweiten Hälfte von Schlag 2 und das letzte am Ende des Taktes. Hör dir Takt 1 an: Die Akkorde brechen nicht mehr ab, sie gehen ineinander über.
Wenn du von einer Note aus ziehst, verschiebst du sie. In SELECT verschiebt ein Ziehen, das auf einem Notenkopf beginnt, die Note, statt auszuwählen. Wenn das passiert, UNDO und weiter unten neu anfangen.
Das Pedal — oben das erste Ped. auf dem Akkord von Schlag 1; unten die Auswahl der Schläge 3–4 mit den vier Zeichen

4 · SEQUENCES: dasselbe Pedal bis Takt 25

  1. Rechtsklick auf SELECT: Das Feld SELECT · ACTIONS öffnet sich.
  2. Open sequence… öffnet das Fenster SEQUENCES.
  3. Bei REPEAT A BAR, HOW IT REPEATS: simile.
  4. PATTERN: 1 (der Takt, den du gerade mit Pedal versehen hast). THROUGH: 25.
  5. SET THE RULE.
Kontrolle: Unten steht «rule set on M1 through M25 — no marks were written», und oben erscheint die Regel M1 → M25 · 25 bars. Die Partitur füllt sich nicht mit Zeichen: Das Pedal wird beim Abspielen eingesetzt. Hör dir die Takte 2 und 3 an: Sie werden pedalisiert wie Takt 1.
SEQUENCES — das Feld SELECT mit Open sequence… und das Fenster mit simile, 1 → 25 und der gesetzten Regel
Ein Takt, in den du dein eigenes Pedal schreibst, wird übersprungen: Was geschrieben ist, hat Vorrang, und die Regel geht im nächsten Takt weiter. So kannst du einen Takt ändern, ohne den Rest zu verlieren. Schließ das Fenster mit seinem ⊗.

ZWEITER TEIL — DIE LINKE HAND ATMET

5 · Intelligent Beams in der linken Hand

  1. Rechtsklick auf die Taste 3·2 in der oberen Leiste (neben R·K): INTELLIGENT BEAMS öffnet sich.
  2. Bei RANGE: M 1 → M 25.
  3. Bei CH: Lass nur 2 eingeschaltet.
  4. Bei LEVEL: 2.
Kontrolle: Unten im Fenster: «✓ Level 2 · M1–M25 · CH 2 · 498 notes». Die Akkorde gruppieren sich zu zweit unter jedem Balken: Der erste lehnt sich an, der zweite folgt.
INTELLIGENT BEAMS — Rechtsklick auf 3·2 — Range 1 → 25, nur CH 2, Level 2

6 · Ein ASYM AGOG-Bereich mit zwei Achsen

Jetzt Takt 1 der linken Hand: Lass ihn zur Mitte hin ein wenig drängen und sich am Ende beruhigen (TEMPO), und lass das Gewicht der Akkorde sich über den Takt hinweg ändern (PRES).

  1. ◻ SELECT und zieh über die linke Hand über den ganzen Takt 1, wieder im unteren Teil des Notensystems.
  2. Rechtsklick in die Auswahl, ebenfalls weit unten, zwischen den Hälsen: Das Menü SELECTION öffnet sich.
  3. Ganz unten im Menü ⌘ ASYM AGOG.
Die Auswahl und das Menü SELECTION — Takt 1 von CH2 ausgewählt und ⌘ ASYM AGOG ganz unten im Menü

Der Editor ASYMETRIC AGOG öffnet sich. Zuerst die Zeitachse:

  1. Prüfe, dass dort AXIS: TEMPO steht. PHASE: Move. INT: Expressive.
  2. Drück AXIS: TEMPO: Es wechselt zu AXIS: PRES. Dasselbe Band, jetzt von der Seite der Präsenz aus gesehen.
  3. PHASE: Arrive. INT: Extreme.
  4. Schließ den Editor mit seinem ⊗, drück Esc und verlass SELECT.
Kontrolle: Auf der Achse TEMPO steigt die Kurve zur Mitte hin an (früher) und kehrt zurück; bei PRES steigt sie zuerst an (mehr Biss) und sinkt zum Ende hin ab (mehr Luft), bevor sie zurückkehrt. Hör dir Takt 1 mehrmals an.
Die zwei Achsen — AXIS: TEMPO mit Move · Expressive und AXIS: PRES mit Arrive · Extreme
Und die anderen Takte?Gib dem Band einen Namen (Rechtsklick auf seinen Rand → Name) und übertrage es mit Take auf andere Takte, wie in Übung Nr. 5. Die fertige Fassung hat es nur in Takt 1: Probier es aus und entscheide selbst.

7 · Die Mittelstimme

Sieh dir die Akkorde der linken Hand an: Die obere und die untere Note bleiben lange liegen; die mittlere ist die, die sich bewegt, jeweils um einen Halbton. Diese Linie trägt die Harmonie. Du gibst ihren ersten beiden Noten etwas mehr Lautstärke (VEL) und Präsenz (PRES): dem H des letzten Akkords von Takt 1 und dem A des ersten Akkords von Takt 2.

  1. Rechtsklick auf den Kopf des H (die mittlere Note des letzten Akkords in Takt 1): Der NOTE EDITOR öffnet sich. Oben steht, welche Note es ist: BN3 · M1 B4.
  2. Drück bei VEL dreimal +5: Die Anschlagsstärke steigt um 15 (von 33 auf 48).
  3. Bei PRES +1.
  4. Schließ mit seinem ⊗ und mach dasselbe mit dem mittleren A des ersten Akkords in Takt 2 (AN3 · M2 B1).
Kontrolle: In der Kopfzeile des Editors steht vel 48 FIJADA (la banda daba 33 ← pp M1) — „fixiert; das Band gab 33“: Die Note hat ihre eigene Anschlagsstärke und folgt nicht mehr der Dynamik. PRES +1 leuchtet.
Der Note editor auf dem H — VEL +5 (dreimal) → 48, PRES +1, und die mittlere Note des Akkords
Der Rechtsklick muss auf den Kopf der mittleren Note treffen: Die oberste Zeile sagt, welche du geöffnet hast. Wenn dort eine andere steht, schließ das Fenster und ziel noch einmal.

Mach selbst noch ein paar Takte weiter: Die Mittelstimme geht in Takt 2 mit E · Es weiter, in Takt 3 mit Es · D · A · Gis… Wenn du dich verirrst, öffne die fertige Fassung: Alle 59 Noten der Stimme sind dort markiert.

Warum +1 und nicht +2? PRES +1 gibt einen gewichtigen Einsatz, ohne den Klang zu verhärten; +2 ist für hin und wieder, für eine Note, die hervortreten muss. Dazwischen stellen die Pfeile ◂ ▸ der Zeile PRES in Schritten von 0,25 ein.

DRITTER TEIL — DER DOPPELSCHLAG IN TAKT 16

8 · B oder Ais: die Note so schreiben, wie sie ist

In Takt 16 steigt die Melodie H · Ais · Ais zum H hin. MIDI weiß nichts über die Schreibweise — es speichert nur die Taste —, und die Umwandlung hat B geschrieben. Es klingt fast gleich, ist aber nicht dieselbe Note: Ais ist der Leitton, der zum H aufsteigt, und der Doppelschlag, den du gleich hinzufügst, kreist um ihn (mit einem Gisis darunter). Zuerst korrigierst du es.

  1. Geh zu Takt 16 (Mausrad oder die Leiste unten).
  2. Klicke auf die Sechzehntelnote B der rechten Hand und drück die Pfeiltaste ↓: Sie geht eine Stufe nach unten, auf A.
  3. Rechtsklick darauf → im Note editor ACC: ♯. Es wird zu Ais.
  4. Dasselbe mit der Viertelnote, die folgt.
Kontrolle: In der Kopfzeile des Editors steht AS4 · M16 B2, und in der Partitur tragen beide Noten ein ♯. Das Ais klingt eine Spur höher als das B, das dort stand: Der Unterschied zwischen den beiden ist ein Komma, und der Score stimmt es.
Ais in Takt 16 — der Note editor mit ACC ♯ und die zwei korrigierten Noten

9 · Der verzögerte Doppelschlag

  1. Klicke auf die Viertelnote Ais in Takt 16: Sie wird hervorgehoben.
  2. In ART den Doppelschlag: turn.
  3. Rechtsklick auf den Doppelschlag, der über der Note erschienen ist → ✎ TURN EDITOR.
  4. PLACE (wann er kommt): delayed.
  5. LOWER NEIGHBOUR: 𝄪. Schließ mit Close.
Kontrolle: Hör dir Takt 16 an: zuerst das Ais, dann der Doppelschlag H · Ais · Gisis · Ais. Ohne das Doppelkreuz wäre die untere Nebennote Gis, einen Ganzton tiefer: Der Doppelschlag klingt schlaff, außerhalb der Tonart.
TURN EDITOR — delayed und die untere Nebennote 𝄪

Speichere es: MENU FILES → EXPORT MMF.

VIERTER TEIL — PRÜFE DEIN GEHÖR

10 · Wie stark muss eine Stimme hervortreten, um gehört zu werden?

Im Ordner escucha („Hören“) im Zip gibt es vier Fassungen des fertigen Prélude. Sie sind in allem gleich — Tempo, Pedal, Intelligent Beams, der ASYM-Bereich, der Doppelschlag — außer in der Mittelstimme:

DateiDie Mittelstimme
1 · sin nadawie der Rest des Akkords: keine eigene Anschlagsstärke, keine Präsenz
2 · +1010 mehr Anschlagsstärke als die Dynamik, und PRES +1
3 · +2020 mehr, und PRES +1
4 · +3030 mehr, und PRES +1
  1. Öffne 1 und hör dir die Takte 1 bis 4 an. Hörst du die Mittelstimme absteigen?
  2. Öffne 2, 3 und 4 und hör dir dieselben Takte an.
  3. Schreib auf, ab welcher du der Stimme folgst, ohne nach ihr zu suchen, und bei welcher sie die Melodie schon überdeckt.
Schwieriger, blind: Bitte jemanden, sie dir in einer anderen Reihenfolge zu öffnen, ohne dir zu sagen, welche welche ist, und bring sie selbst in die richtige Reihenfolge, von der schwächsten zur stärksten.
Und die fertige Fassung?CHOPIN_Preludio Nº-4-Op28-E-min (voz interior ).mmf liegt bei +15 mit PRES +1: zwischen 2 und 3. Das ist ein Ausgangspunkt, keine Antwort — an deinem Klavier, mit deinen Lautsprechern, gefällt dir vielleicht eine andere besser.

Glückwunsch: Das Prélude ist keine MIDI-Datei mehr, sondern eine Interpretation

Probier eine andere Form für die linke Hand aus — Inhale, Exhale, eine andere Intensität — und hör, wie sich der Charakter ändert. Mit UNDO kannst du jederzeit zu dem zurückkehren, was du hattest.